Uns treibt der Gedanke an, dass mit einer produktiven regenerativen Lebensmittelerzeugung unsere natürlichen Ressourcen auf- statt abgebaut werden. Unterm Strich positiv ist das Ziel - „Net Positive“ sozusagen. Das heißt, wir wollen mehr zurückgeben, als wir entnehmen. Nicht nur nachhaltig, sondern regenerativ.

Dafür müssen wir aber erstmal wissen, welche Auswirkungen unser Handeln hat. Der erste Schritt ist es, unseren aktuellen Einfluss auf die Welt zu analysieren. Das Werkzeug: Die Ökobilanz. Sie hilft uns, Verbesserungspotential zu erkennen und danach strategische Entscheidungen zu treffen.

Wir erklären Euch im Folgenden, was das konkret heißt, welche Informationen eine solche Bilanz enthält und wie man sie deuten kann. Versprochen, das sind keinesfalls „nur trockene Zahlen“.

Eine Ökobilanz – Was ist das?

Eine Ökobilanz stellt die Auswirkungen unserer Produkte und Tätigkeiten auf die Ökosysteme und das Klima dar. Sozusagen der ökologische Fußabdruck oder Rucksack unseres Handelns. Jedes Produkt trägt Ressourcen auf dem Rücken, die zur Herstellung des Produkts benötigt wurden. Je größer und voller der Rucksack, desto schädlicher das Produkt.
Da wir die ganzheitlichen Auswirkungen unseres Tuns erfassen wollen, umfassen unsere Ökobilanzen den gesamten Lebenszyklus eines Produktes, also sowohl die Gewinnung von Rohstoffen, als auch die Verarbeitung, den Transport und die Entsorgung.
An jeder dieser Stellen der Lieferkette werden Ressourcen ver- oder gebraucht. Sei es Wasser, Boden, Strom, Diesel uvm. Jeder dieser Ver- oder Gebrauchsstoffe hat einen spezifischen Einfluss (Fußabdruck) auf die Welt. Ob durch Emissionen, Verschmutzung oder Verbrauch.

Nehmen wir als Beispiel unsere Bio Rote Bete Sticks. Die Pflanzen werden angebaut, wachsen und werden gepflegt bis sie erntereif sind. Nach der Ernte werden die Knollen frisch verarbeitet, also geschält, in Sticks geschnitten und tiefgekühlt. Wie im Tracking-Code zu sehen ist, wird das fertig verpackte Gemüse anschließend in unser Tiefkühllager nach Bocholt transportiert und von dort an den Einzelhandel geliefert. Schlussendlich berücksichtigen wir noch das Ende des Lebenszyklus', die Entsorgung unserer Verpackungen über den Haushaltsmüll.

Dieser ganze Prozess braucht unterschiedlichste Ressourcen wie beispielweise Wasser, Strom in der Verarbeitung der Knollen, Treibstoff für den Transport und weitere Betriebsmittel, die einen spezifischen Einfluss auf die Ökosysteme und das Klima haben.

Diese Schaubild stellt dar, welche Bereiche der Lieferkette Teil unserer Berechnungen sind. Die Lieferkettenabschnitte Lebensmitteleinzelhandel und Endkund:innen sind nicht Teil unserer Berechnungen. Hier liegen uns keine Daten vor und auch der Verantwortungsbereich liegt nur teilweise bei uns. Einkalkuliert werden jedoch die Werte der Verpackungsentsorgung von Endkunden.

Wie erstellt man eine Ökobilanz?

Das Erstellen einer Ökobilanz ist durchaus eine herausfordernde Aufgabe. Wir haben uns hierfür Unterstützung bei den Expert*innen von myclimate geholt und gemeinsam die Ökobilanz für unser vielfältiges Produktsortiment erarbeitet.

Für die Erstellung einer solchen Aufstellung gibt es ISO-Normen, welche das Vorgehen genau beschreiben. Zu Beginn ging es darum, möglichst genaue Daten zusammenzutragen. Beispielsweise wird erfasst, wie die Produkte hergestellt werden, welche Betriebsmittel nötig sind und aus welchen Quellen diese stammen, welche Transporte mit welchem Transportmittel stattfinden, ob das Produkt dabei gefroren ist oder – wie beispielsweise unsere Konserven – nicht besonders gekühlt werden muss, …

Die Liste ist lang, aber es lohnt sich. Denn je genauer die Daten, desto aussagekräftiger ist unsere Ökobilanz.

Trotz aller Bemühungen gibt es Datenlücken, welche mit wissenschaftlich fundierten Annahmen gefüllt werden. Dabei gehen die Expert*innen immer von den „schlechtesten“ Werten aus. So wissen wir, dass jeder Wert, der auf Annahmen basiert, immer schlechter sein wird als er tatsächlich bei followfood ist. Myclimate geht sogar so weit, dass sie generell auf die Berechnungen einen 15%igen Risikoaufschlag legen, um mögliche Berechnungs- oder Datenfehler auszugleichen.

Aus den Daten werden nun die Umweltwirkungen des Produktes berechnet. Hierfür bedienen wir uns an 16 Indikatoren, die der international anerkannten Wirkungsabschätzungsmethode der EU „International Reference Life Cycle Data System“ (ILCD) entsprechen.

Dabei arbeiten wir mit sechs Fokus-Kategorien, die unsere Schwerpunkte bilden.

Was bedeuten denn die einzelnen Kategorien?

Klimawandel
Hier wird der Beitrag zur Erwärmung des Klimas aufgrund der Emission klimawirksamer Gase erfasst. Die wichtigsten Treibhausgase sind Kohlendioxid, Lachgas und Methan. Sie werden in CO2- Äquivalente umgerechnet. Schauen wir uns das Beispiel von oben nochmals genauer an. Unsere Bio Rote Bete Sticks tragen in ihrem „Leben“, also vom Anbau über Verarbeitung bis zum Genuss und der Entsorgung des Kartons, 0,22 kg CO2- Äquivalente zum Klimawandel bei.

Versauerung
Ökosysteme befinden sich in einem fragilen Gleichgewicht, das leicht gestört wird. Unter anderem sind das versauernde Substanzen, hauptsächlich Stickstoff- und Schwefelverbindungen.
Für die Rote Bete haben die Berechnungen einen Wert von 0,0015 ergeben.

Süßwassereutrophierung
Es werden Phosphoremissionen in Luft, Boden und Wasser erfasst, welche die aquatischen Süßwassersysteme belasten. Für unser Beispiel ergeben sich 7,7*10-5 kg Phosphor-Äquivalente.

Meereseutrophierung
Ähnlich wie bei der Süßwassereutrophierung werden Emissionen in Luft, Boden und Wasser berücksichtigt. Hier geht es um die Belastung der Salzwasser-Systeme durch Stickstoffemissionen. Diese Emissionen betragen für unsere Bio Rote Bete Sticks 0,0015 kg Stickstoff-Äquivalente

Landnutzung
Die Nutzung und Veränderung des Landes hat große Auswirkungen auf Ökosysteme, welche in dieser Kategorie erfasst werden. Beispielsweise gehören Bodenerosion und veränderte Artengefüge auf dem Land zu den Effekten. Durch die Nutzung des Landes, unter anderem für den Anbau der Beten, beträgt die Landnutzung 1,2 kg Kohlenstoff-Defizit.

Wasserressourcen-Abbau
Die zur natürlichen Nutzung verbleibende Wassermenge für verschiedene Einzugsgebiete wird mit diesem Indikator abgeschätzt, nachdem der Bedarf von Menschen und aquatischen Ökosystemen gedeckt ist. Der Abbau der Wasserressourcen im Lebenszyklus der Roten Bete liegt bei 0,0004 Kubikmeter Wasser-Äquivalenten.

Gesamtumweltwirkung
In dieser zusammenfassenden Kenngröße werden die gesamten Auswirkungen auf die Umwelt dargestellt. Dabei werden insgesamt 16 verschiedene Indikatoren berücksichtigt. Die followfood Bio Rote Bete Sticks kommen hier auf einen Wert von 0,19 milliPoints.

Viele Zahlen… Wie kann man sie nutzen?

Durch die Ökobilanz haben wir eine detaillierte Aufstellung der Umweltwirkung unseres Handelns. So sehen wir, an welchen Stellen Verbesserungen nötig sind und schauen, welche Anpassungen wir vornehmen können um langfristig nicht nur klimaneutral zu sein, sondern klimapositiv und regenerativ zu wirken.

Mehr zu unserem Weg hin zur Klimaneutralität gibt es in den folgenden Magazinbeiträgen.