Fisch ist kein Rohstoff wie jeder andere. Er ist Teil hochkomplexer Ökosysteme, Lebensgrundlage für Millionen Menschen und zugleich eines der am stärksten genutzten Naturgüter der Welt. Wer heute Fisch verkauft oder konsumiert, entscheidet mit darüber, wie es den Meeren und unserem Planeten morgen geht.

Genau um dieser Komplexität gerecht zu werden hat followfood seine Fischereirichtlinien grundlegend überarbeitet. Die neuen Richtlinien sind das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses: wissenschaftlich fundiert, kritisch gegenüber bestehenden Standards, bewusst ambitioniert und getestet an der Realität des globalen Fischereisektors. Sie definieren neu und deutlich präziser, was followfood unter verantwortungsvollem Fischfang versteht.

Warum neue Richtlinien notwendig waren.

Als followfood im Jahr 2020 erstmals eigene Fischereirichtlinien eingeführt hat, war das bereits ein klares Statement: Eine MSC-Zertifizierung ist eine wichtige Basis, aber followfood möchte darüber hinaus gehen, um ökologische und soziale Risiken weiter zu minimieren.

Seitdem hat sich viel verändert. Die Klimakrise hat sich weiter verschärft, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Fischbeständen, Beifang, Ökosystemschäden und sozialen Risiken sind gewachsen. Gleichzeitig steht der Marine Stewardship Council (MSC) als zentrales Zertifizierungssystem selbst vor großen Umbrüchen. Aktuell wird der Standard samt zugehöriger Anforderungen überarbeitet. Allerdings mit Übergangsfristen, sodass viele Fischereien erst gegen Ende des Jahrzehnts, spätestens 2030, nach dem neuen Standard bewertet werden.

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Ein Prozess, der Wissenschaft und Praxis verbindet.

Deshalb hat followfood bereits 2022 einen umfassenden Überarbeitungsprozess gestartet. Unter der Federführung der Nachhaltigkeitsberatung von blueyou und gemeinsam mit externen Expert:innen wurden die bestehenden Richtlinien auf den Prüfstand gestellt.
Beteiligt waren unter anderem Fachleute von NGOs, wie dem WWF, Non-Profit-Organisationen und Wissenschaftler:inne, wie der Uni Hamburg. In mehreren Workshops wurden die Kriterien diskutiert, geschärft, neu priorisiert und schließlich an konkreten Fischereien getestet.

Das Ziel: Richtlinien zu entwickeln, die wissenschaftlich belastbar sind, zentrale Risiken adressieren und zugleich praktisch anwendbar bleiben. Keine theoretischen Idealbilder, sondern ein Instrument, das im Alltag von Einkaufs- und Lieferkettenentscheidungen funktioniert.

Foto: followfood GmbH

Aufbauend auf dem MSC und bewusst darüber hinaus.

Auch die neuen followfood Fischereirichtlinien setzen weiterhin eine gültige MSC-Zertifizierung voraus. Sie bauen bewusst auf die gute Datenbasis auf und nutzen die öffentlich verfügbaren Berichte, Bewertungen und Monitoring-Informationen. Gleichzeitig überprüfen, ergänzen und verschärfen sie den Standard überall dort, wo followfood relevante Potentiale und Risiken erkannt hat. Dazu zählen unter anderem:

  • Anteil MSC Zielarten: Der Großteil des Fangs besteht aus den gewünschten zertifizierten MSC-Zielarten.
  • Zustand der Fischbestände: Die Nutzung der Zielbestände sowie aller relevanten mitgefangenen Arten erfolgt ökologisch nachhaltig. Überfischte Zielbestände sind ausgeschlossen.
  • Folgen für gefährdete Arten: Der Umgang mit gefährdeten, bedrohten und geschützten Arten wird unabhängig bewertet und berücksichtigt.
  • Auswirkungen auf Ökosysteme: Unabhängige Überprüfung der ökologischen Folgen der Fischerei und Ausschluss von neuen Projekten mit besonders schädlichen Fanggeräten wie Grundschleppnetzen.
  • Treibstoffverbrauch der Fischerei: Definierte Obergrenze der verursachten CO2-Emissionen.
  • Soziale Standards: Systematische Bewertung von sozialen Risiken auf Basis von Zertifizierungen, Audits und Risikoanalysen.

Ein zentraler Grundsatz bleibt dabei unverändert: Wird ein Kriterium von followfood als kritisch bewertet, wird eine Fischerei ausgeschlossen. Auch dann, wenn sie MSC-zertifiziert ist.

Foto: Sebastian Pena Lambarri

Verantwortung statt Bequemlichkeit.

Dabei ist das kein Angriff auf den MSC. Im Gegenteil: followfood erkennt ausdrücklich die wichtige Rolle an, die der MSC als internationaler Referenzstandard spielt und stützt sich auf dessen Arbeit. Gleichzeitig ist klar, dass freiwillige Standards immer Kompromisse darstellen und sich nur schrittweise weiterentwickeln können.

Als Unternehmen, das täglich Entscheidungen über Einkauf, Produkte und Lieferketten trifft, sieht followfood seine Verantwortung darin, dort weiterzugehen, wo bestehende Regelwerke (noch) an ihre Grenzen stoßen. Nicht aus Prinzip, sondern aus Überzeugung und mit dem Anspruch, heute schon das umzusetzen, was morgen Standard sein sollte.

Die neuen Fischereirichtlinien verstehen sich deshalb auch als Einladung zur Diskussion: in der Branche, mit Partnern, mit anderen Unternehmen und nicht zuletzt mit Konsument:innen. Sie zeigen, dass verantwortungsvollere Fischerei kein fernes Zukunftsziel sein muss, sondern bereits heute konkret definiert und eingefordert werden kann.

Einen genaueren Überblick zu allen Kriterien und Bewertungslogiken findest du hier.

Verantwortung sichtbar machen.

Die followfood Fischereirichtlinien sind kein starres Regelwerk, sondern werden regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. Gleichzeitig machen sie Entscheidungen nachvollziehbar, sowohl für Handelspartner als auch für Konsument:innen.
Wer Fisch isst, trifft eine Entscheidung mit Wirkung. followfood übernimmt dabei die Verantwortung, diese Wirkung so positiv wie möglich zu gestalten: durch klare Kriterien, konsequente Auswahl und transparente Kommunikation.
Denn nachhaltigere Fischerei entsteht nicht durch Verzicht allein, sondern durch bessere Entscheidungen. Schritt für Schritt, Fisch für Fisch.

Wenn du alle Kriterien im Detail nachlesen möchtest, findest du das gesamte Dokument hier: