Warum es eigene Fischerei-Richtlinien braucht.
Internationale Standards wie der Marine Stewardship Council (MSC) leisten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Fischerei. Sie schaffen Transparenz, setzen Anforderungen und treiben Verbesserungen in vielen Fischereien voran. Sie decken viele ökologische Risiken ab, aber häufig keine sozialen. Zudem greifen Weiterentwicklungen oft erst mit großer zeitlicher Verzögerung.
followfood möchte deshalb bewusst einen Schritt über den MSC hinausgehen, wo größere Sorgfalt möglich ist und weitere Risiken minimiert werden können. Die Fischerei-Richtlinien wurden mit Unterstützung von Wissenschaftler:innen, NGOs und Nachhaltigkeitsexpert:innen entwickelt und in der unternehmerischen Praxis getestet. So verbinden sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Anwendbarkeit im Einkauf.
Das klare Ziel ist, Fischbestände zu schonen, marine Ökosysteme zu sichern und gesamte Lieferketten zu durchleuchten. Um das zu erreichen, werden alle Fischereien, von denen followfood Fisch bezieht, jährlich systematisch anhand klar definierter und öffentlich einsehbarer Kriterien durch externe Partner bewertet. Auf diese Weise setzt followfood mit der Auswahl der Fischereien ein klares Signal, welches Konsument:innen mit ihrer Kaufentscheidung im Handel verstärken.
Die Kriterien im Überblick und warum sie entscheidend sind.
Anteil der MSC-Zielarten
Standards, wie der MSC, zertifizieren gesamte Flotten, wobei nur die definierten Zielarten später mit dem Logo verkauft werden dürfen. Es gibt allerdings keine Vorgabe, wie groß der Anteil dieser Arten am Gesamtfang sein muss. So kann es vorkommen, dass die Zielarten nicht zwangsläufig den Großteil des Fangs ausmachen, wobei mitgefangene Arten weniger Kriterien erfüllen müssen. Deshalb definiert followfood einen Mindestanteil von 60 Prozent der gewünschten Zielarten am Fangvolumen.
Zustand und Nutzung der Fischbestände
Entscheidend für nachhaltige Fischerei ist der Zustand der befischten Bestände. Dabei geht es darum, wie viele Fische eines Bestandes vorhanden sind und wie stark sie jedes Jahr befischt werden. Damit Bestände langfristig stabil bleiben, darf nicht mehr gefangen werden, als natürlich nachwächst. followfood setzt deshalb auf einen Vorsorgeansatz und schließt Fischereien bereits dann aus, wenn sich Zielbestände einem kritischen Zustand nähern oder relevante Beifangarten diesen erreicht haben. Grundlage dafür sind internationale Bestandsbewertungen und anerkannte wissenschaftliche Vorsorgeprinzipien.
Gefährdete, bedrohte und geschützte Arten
Fischerei hat auch Auswirkungen auf weitere Arten. Dazu zählen auch Spezies, die gefährdet, bedroht oder geschützt sind, wie etwa verschiedene Meeressäuger, Seevögel, Meeresschildkröten oder Haie. followfood prüft daher zusätzlich unabhängig, ob und in welchem Ausmaß Fischereien mit solchen Arten interagieren. Neben den Angaben aus der Zertifizierung fließen wissenschaftliche und NGO-basierte Einschätzungen in die Bewertung ein. Fischereien, die ein erhebliches Risiko für solche Arten darstellen, werden ausgeschlossen.
Auswirkungen auf marine Ökosysteme
Fischerei wirkt sich auch auf ganze Lebensräume aus. Besonders Fanggeräte, die den Meeresboden direkt berühren, können empfindliche Habitate wie Korallen, Schwämme oder Seegraswiesen langfristig schädigen. followfood überprüft deshalb die ökologischen Auswirkungen der eingesetzten Fangmethoden. Neue Produkte mit besonders schädlichen Fanggeräten, etwa Grundschleppnetzen, werden ausgeschlossen. Darüber hinaus ist der Einsatz von Fischsammlern nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Ziel ist es, Fischerei so auszuwählen, dass ökologische Funktionen erhalten bleiben und Lebensräume sich regenerieren können.
Treibstoffverbrauch und Klimawirkung
Fischerei verursacht Treibhausgasemissionen, vor allem durch den Einsatz von Schiffsdiesel. Je nach Fangmethode und Zielart können sich diese Emissionen erheblich unterscheiden. Daher definiert followfood eine Obergrenze für die verursachten CO₂-Emissionen pro Tonne gefangenen Fisch. Fischereien mit besonders hohem Treibstoffverbrauch werden so ausgeschlossen und energieeffizientere Fangmethoden bevorzugt.
Soziale Standards in Fischerei und Lieferkette
Die Arbeitsbedingungen auf Fischereischiffen und in Verarbeitungsbetrieben sind weltweit sehr unterschiedlich, insbesondere in Regionen mit schwacher staatlicher Kontrolle. followfood bewertet soziale Risiken systematisch anhand anerkannter Zertifizierungen, unabhängiger Audits und länderspezifischer Risikoanalysen. Ziel ist es, das Risiko menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen, Gefahren und Verstöße gegen grundlegende Rechte entlang der gesamten Lieferkette zu überwachen und zu minimieren.
Transparente Entscheidungen statt einfacher Antworten.
Die followfood Fischerei-Richtlinien sind kein starres Regelwerk, sondern werden regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. Gleichzeitig machen sie Entscheidungen nachvollziehbar, sowohl für Handelspartner als auch für Konsument:innen.
Wer Fisch isst, trifft eine Entscheidung mit Wirkung. followfood übernimmt dabei die Verantwortung, diese Wirkung so positiv wie möglich zu gestalten: durch klare Kriterien, konsequente Auswahl und transparente Kommunikation.
Denn nachhaltigere Fischerei entsteht nicht durch Verzicht allein, sondern durch bessere Entscheidungen. Schritt für Schritt, Fisch für Fisch.
Wenn du alle Kriterien im Detail nachlesen möchtest, findest du das gesamte Dokument hier: