Die einfache Antwort auf die Frage, was es damit auf sich hat: Es handelt sich um die Windskulptur swarm des Hamburger Künstlerduos heidundgriess, welche mit finanzieller Unterstützung von followfood entstanden ist. Vom 21. Bis 27. September lässt es sich im Hamburger Hafen am Ufer des Schellfischposten bestaunen.

Die aufwendigere Antwort auf die Frage: Es ist ein Denkmal, ein Mahnmal und ein Abbild des Wandels in einem. Das Kunstwerk des Künstlerduos heidundgriess schafft es die Erinnerung an florierende Zeiten, die Darstellung einer traurigen Gegenwart und den Hebel des Wandels in ihrer Kunstinstallation swarm zu vereinen.

Doch erstmal zu den genauen Hintergründen der Installation. Im Frühjahr 2021 wird die Installation seinen Weg zu seinem eigentlichen Bestimmungsort Siglufjörður, Island antreten. Die Idee und ein Prototyp entstanden bereits im Jahr 2015, als das Künstlerduo für eine Artist Residency, ein einmonatiges Kunststipendium, in Siglufjörður war. Der Prototyp wurde nach Fertigstellung am Ufer des Herring Era Museum aufgestellt. Jedoch hielt er den kräftigen Wetterbedingungen nicht stand.

© heidundgriess

Der Hering-Boom in Siglufjörðurs

Dieser Ort war ehemals ein florierender Fischerort, welcher während des Hering-Booms bis in die späten 60er Jahre durch Fang und Export von Heringen geprägt wurde. Heringe waren besonders in den Jahren des Hungers während der Weltkriege begehrt. In den 23 Einsalzstationen Siglufjörðurs wurde der frische Fang ausgenommen und verarbeitet. Aus ganz Island strömten die Menschen für die Sommermonate in den lebhaften Ort um zu arbeiten.

Im Jahr 1968 nahm der Erfolg jedoch ein jähes Ende. Die Heringsschwärme blieben aus. Die Bestände waren so sehr überfischt, dass kein einziger Fisch mehr ins Netz ging. Neben den gravierenden Auswirkungen im Meer, brach ein ganzer Industriezweig an Land und damit die Erwerbsquelle des Ortes weg. Die Menschen verloren ihre Arbeit und viele zogen, auf der Suche nach einem Einkommen, von Siglufjörður fort. Der einst florierende Ort wurde zur Geisterstadt.

Heute zeugen das berühmte Herring Era Museum und bald auch wieder die Installation des Künstlerduos von der bewegten Vergangenheit. swarm wird an jenem Ufer platziert, an welchem riesige Mengen von Heringen angelandet und verarbeitet wurden.

© heidundgriess

Das "Silber der Meere"

Die glitzernden Messer sind an einer Matrix aus Angelschnüren innerhalb eines Containerrahmens befestigt. Durch Wind drehen sie sich sanft um ihre eigene Achse und schimmern silbern wie ein Heringsschwarm. Nicht ohne Grund werden die Heringe auch als „Silber der Meere“ bezeichnet. Der Container steht dabei als Symbol für die Globalisierung und weltweiten Handel. Die Messer sowohl für den Tötungsakt der Fische, als auch den direkten Zusammenhang zwischen Überfischung und unserem Konsum. Die beiden Künstler möchten die Betrachter*Innen dazu einladen, über die Vergangenheit und Zukunft der Fischerei, den Umgang mit der Natur sowie die eigene Verantwortung beim Konsum nachzudenken. Damit wollen die Künstler und wir als Unternehmen dazu beitragen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es Handlungsbedarf gibt und Jede*r von uns einen Unterschied machen kann.

© heidundgriess

Es geht um so viel mehr

Denn es geht um so viel mehr als Fisch. Das Kunstwerk thematisiert unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen. Unser Verhältnis zur Natur. Die Folgen kurzfristigen Denkens und Profitorientierung. Die Rolle unserer Konsumentscheidungen. Es zeigt, dass wir es in der Hand haben. Dass Wandel bei uns, auf unserem Teller beginnt. So hat es für uns, neben aller Tragik, auch eine motivierende und positive Botschaft. Es ist nicht das Schicksal, oder eine Naturkatastrophe, die uns ereilt. Wir sind die Ursache. Und so können wir auch die Lösung sein.

Mit swarm wollen wir gemeinsam mit dem Künstlerduo die Betrachter*Innen dazu bewegen sich diesen Fragen und Herausforderungen zu stellen und über das eigene Handeln zu reflektieren. Beim gedankenversunkenen Betrachten des schimmernden „Heringschwarms“ lässt sich fast schon meditativ über diese großen Fragen nachdenken.